Der Weg zur digitalen Transformation

Ein Beitrag von Martina Beierl

Bezirk Oberpfalz und Digitale Gründerinitiative Oberpfalz luden zum 5. Innovationsfrühstück ein

Thomas Schröpf (Bezirk Oberpfalz), Jan Stočes (Aimtec) und André Pscherer (DGO) begrüßten die Teilnehmer im Innovision Center der BHS in Weiherhammer zum Innovationsfrühstück Digitale Transformation (v.l.). Dr. Stefan Uebelacker von CIPA ist nicht im Bild. Foto: Thomas Schröpf

Weiherhammer. „Digitalisierung ist nicht mehr nur eine Möglichkeit. Es ist eine Notwendigkeit für jedes Unternehmen, das konkurrenzfähig, produktiv und profitabel bleiben möchten“, schrieben die Veranstalter des Innovationsfrühstücks „Digitale Transformation“ auf ihre Einladungsmedien. Zum fünften Mal luden Anfang September das Beratungsbüro Oberpfalz des Bezirks Oberpfalz und die Digitale Gründerinitiative Oberpfalz (DGO) Start-ups und Unternehmer aus der Nordoberpfalz zu einem Thinktank ein, um sich über die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung mit Experten auszutauschen und Erfolgsbeispiele aus der Praxis zu erleben. Im Innovision Center der BHS Corrugatet in Weiherhammer standen Dr. Stefan Uebelacker, Geschäftsführer bei CIPA, und Jan Stočes, Director Cloud & Integration Solutions bei Aimtec, rund 20 Teilnehmern Rede und Antwort.

Um auf dem Weg zur Vollautomatisation Risiken zu minimieren und unnötige Ausgaben zu vermeiden, sind renommierte Partner wichtig. Fehler, die schon andere gemacht haben, gilt es, nicht nochmals zu wiederholen. Dieses Anliegen verfolgten die Veranstalter des Innovationsfrühstücks, um die Digitalisierungsoffensive in der Unternehmerlandschaft der Nordoberpfalz anzuschieben und erfolgreich umzusetzen. „Wir motivieren Unternehmen, sich digital zu transformieren“, so Thomas Schröpf vom Beratungsbüro des Bezirks Oberpfalz in Weiden, das bei der Suche nach Fördermöglichkeiten bei Digitalisierungs- und Technologieinvestitionen unterstützt. Denn viele Firmen laufen Gefahr, sich im täglichen Business zu verlieren und den Schritt in die Digitalisierung nur halbherzig oder unprofessionell zu machen oder gar zu verpassen. Das kostet am Ende Zeit, Geld und entscheidende Wettbewerbsvorteile, wie André Pscherer, Projektmanager DGO, die im Netzwerk mit den Hochschulen Amberg-Weiden und Regensburg sowie der Universität Regensburg und dem IT-Sicherheitscluster e.V. eine nachhaltige Gründungskultur in der Oberpfalz im Bereich Digitalisierung etablieren will, ergänzt: „Die Digitalisierung ist kein Hexenwerk, aber relevant, um zukünftig am Markt zu bestehen.“

Der Ort für dieses Zukunftsthema konnte indes nicht besser gewählt werden, gehört die BHS Corrugatet doch zur Weltelite der Lifecycle Unternehmen für die Wellpappindustrie, die die Digitalisierung nicht nur im eigenen, sondern auch in branchenverwandten Betrieben vorantreibt. So ist der Weltmarktführer einer der Partner der CIPA GmbH, die sich die Digitalisierungsoffensive in der Wellpappindustrie auf die Fahne geschrieben hat. Denn selbst hoch technologisierte Betriebe in Deutschland zeigen in puncto Digitalisierung noch Luft nach oben, wie Stefan Uebelacker ausführte. „Im internationalen Vergleich ist Deutschland im Mittelfeld zu finden. Es gibt sicherlich Länder, wo digitale Themen noch kaum eine Rolle spielen. An der „Digitalisierungsfront“ spielt Deutschland aber nicht mit.“. Gleichwohl seien die Unternehmen heterogen. Sehr traditionelle Betriebe fänden sich hier ebenso wie äußerst innovative „Front-Runner“, die visionäre Ideen verfolgen und sich bereits mitten in Themen der Industrie 4.0 befänden.

Die Wellpappbranche befindet sich aktuell in einem tiefgreifenden Wandel und treibt digitale Themen stetig voran. „Das geht von einzelnen Systemen über Maschinen bis hin zum Gedanken einer vollautomatischen Produktion“, führte Uebelacker aus. Sein Unternehmen, CIPA GmbH, begleitet mit der offenen Plattform openpack sowohl Kunden der Wellpappfabriken als auch Partner, Dienstleister und Maschinenhersteller der Branche dabei, den digitalen Wandel schnell und stringent zu bewältigen. Wie in einem One-Stop-Shop können Einkäufer, Produktionsleiter, Instandhalter, Werksleiter oder auch Verantwortliche in den klassischen Querschnittsfunktionen wie IT, Personal oder Finance vielfältige Nutzen aus der Plattform ziehen. Die Digital Factory auf openpack liefert dazu einen Live-Blick in die Produktion und ermöglicht es, auf digitalem Weg sämtliche Informationen der Werke von überall her zugänglich zu machen. Über den openpack Marketplace stehen zahlreiche Lieferanten der Branche für einen optimierten Einkaufsprozess zur Verfügung. Weitere Partner-Anwendungen sind gegenwärtig in Vorbereitung, etwa Lösungen für Instandhaltungen oder Maschinen-Finanzierungen. „openpack macht die teilnehmenden Werke produktiver und das Leben der Mitarbeiter einfacher. Auf Seiten der teilnehmenden Anbieter und Partner erleichtert sie den Zugang zu Kunden, vereinfacht technische Anbindungen und stellt Daten für optimierte Lösungen und Anwendungen zur Verfügung“, so Uebelacker.

Für Jan Stočes von Aimtec kämpfen viele Betriebe nicht nur mit fehlendem Fachpersonal und Know-how, sondern auch mit klar definierten Strategien. „Bei der digitalen Transformation geht es hauptsächlich um Menschen. Deshalb ist es wichtig, dass die eigenen Mitarbeiter die Ziele sowie den Sinn und Zweck der Transformation verstehen. Unternehmen, die in der Zukunft erfolgreich sein werden, sind solche mit einem starken internen Team und mit viel Know-how“, ist sich Stočes sicher. Er empfahl den Zuhörern, am besten mit kleinen umsetzbaren Projekten und überschaubarer Kapitalrentabilität zu beginnen und erfahrene Experten an die Seite zu holen. „Zuerst benötigen Sie ein ERP-System, um Daten digital zu speichern“, so der Experte. Viel könne schon mit der Visualisierung der gespeicherten Daten erreicht werden. Mit relevanten Daten könnten MES/MOM Lösungen implementiert werden, um die Fertigungsprozesse zu automatisieren. Im Bereich Lager und Logistik seien halb- und vollautomatisierte Transportsysteme sehr hilfreich. Als wichtigen Punkt dabei nannte Stočes die Integration der Systeme. „Es gibt keine einzelne Lösung, die alles umfasst, es geht immer um die Gesamtintegration von Software, Hardware und Menschen.“

Nach den Vorträgen schloss sich eine Besichtigung des FutureLab der LUCE-Stiftung im Science Park C4 in Weiherhammer an. Die Teilnehmer wurden mit Virtuell Reality-Brillen ausgestattet und erlebten am „Holodeck“, wie virtuelles Lernen im digitalen Zeitalter funktioniert.

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